Während meines Designstudiums in Pforzheim lebte ich in einer Vierer-WG.
Warum ich bei dieser Überschrift an meine WG denken muss? Weil mir sofort die Anekdote meines Mitbewohners einfällt, der daraus einen Running-Gag gemacht hatte:
Egal ob Erstsemesterparty, Werkschau oder Silvester – ich habe mir vorher noch schnell ein Outfit genäht. Immer. Es gehörte für mich einfach dazu, mir als Modedesignerin etwas Passendes zusammenzustellen. Pflicht, quasi.
Später, im Berufsleben, war das Nähen irgendwann nicht mehr nötig. Da war es oft bequemer, sich mal eben den perfekten Anzug von St. Emile oder ein elegantes Abendkleid von Luisa Cerano – natürlich aus meiner eigenen Kollektion – direkt aus dem Lager zu schnappen.
Und mit den tollen Inforeisen nach Italien, Frankreich oder England… tja, da war die Versuchung groß, die Inspiration gleich selbst zu kaufen. Meine beste Ausrede für diesen wachsenden Konsum? Ganz klar: Berufskrankheit. 😉
Aber irgendwann platzte mein Kleiderschrank. Trotz Flohmarkt- und Vinted-Verkäufen wuchs sein Inhalt stetig. Und das bekannte Phänomen: „Ich habe nichts anzuziehen“, wurde zur täglichen Wahrheit. Dabei war das Problem nicht der Mangel – sondern die Überfülle. Ich fand einfach nichts mehr.
In den letzten Jahren haben sich meine Werte verändert.
Ich habe viele Jahre die Schnelllebigkeit der Modewelt mitgestaltet. Immer mehr, immer schneller. Bis zur Überproduktion. Was dann im Lager übrig blieb, war für Unternehmen einfach: totes Kapital.
Genau das bringt mich zu morgen.
Auch wenn ich mir heute nicht mehr mal eben geschwind ein Kleid nähe, dann kann ich dafür etwas anderes: Ich kann in 3D nachhaltig entwerfen. Ich kann bewusst entscheiden, was und wann produziert wird. Und mein Kleid? Das finde ich morgen vielleicht auf dem Flohmarkt. Oder im Secondhand-Laden.
Und wer weiß – vielleicht nähe ich es mir ja doch mal wieder selbst.
